Hubrettungsfahrzeuge auf öffentlichen Verkehrsflächen

Feuerwehr Frankfurt - Vorbeugender Brandschutz

Hubrettungsfahrzeuge der Feuerwehr (Drehleitern) werden zur Brandbekämpfung, zur Menschenrettung und zur technischen Hilfeleistung eingesetzt. Bei bestimmten Gebäudehöhen kann die Feuerwehr durch die Vorhaltung und den Einsatz von Hubrettungsfahrzeugen den durch die Hessische Bauordnung geforderten zweiten Rettungsweg sicherstellen. Für einen erfolgreichen Einsatz von Hubrettungsfahrzeugen sind jedoch entsprechende Flächen erforderlich, um das Fahrzeug zielführend und sicher aufstellen zu können.

Flächen für die Feuerwehr auf Grundstücken

Für Grundstücke sind die Anforderungen in der „Musterrichtlinie über Flächen für die Feuerwehr“ und in der DIN 14090 „Flächen für die Feuerwehr auf Grundstücken“ beschrieben. Bei der Musterrichtlinie handelt es sich um eine bauaufsichtlich eingeführte Technische Baubestimmung des Landes Hessen mit bauordnungsrechtlich bindender Wirkung. Die enthaltenen Anforderungen sind auf die DIN EN 14043 „Hubrettungsfahrzeuge für die Feuerwehr“ abgestimmt und definieren u. a. die zulässigen Abstände zum Gebäude, die Abmessungen der Flächen und deren erforderliche Tragfähigkeit. Das Ziel einer einheitlichen Ausführung von Aufstellflächen ist es, eine gesicherte Anleiterbarkeit von Gebäuden zu ermöglichen, sodass alle notwendigen Anleiterstellen jederzeit sicher erreicht werden können.

Feuerwehren in Hessen sind gemäß § 7 Hessischen Brand-, Katastrophenschutzgesetz (HBKG) grundsätzlich dazu verpflichtet, Ausrüstungsgegenstände nach Norm zu verwenden. In der Stadt Frankfurt am Main werden derzeit ausschließlich Drehleitern der Leiterklasse 30 nach DIN EN 14043 eingesetzt. Es ist nahezu ausgeschlossen, dass in Zukunft Fahrzeuge kleinerer Klassen beschafft werden. Merkmal dieser Leiterklasse ist, dass eine Nennrettungshöhe von 23 m bei einer Ausladung von 12 m erreicht werden kann.

Flächen für die Feuerwehr auf öffentlichen Verkehrsflächen

Das Amt für Bauaufsicht, das Amt für Straßenbau & Erschließung und die Branddirektion der Stadt Frankfurt am Main haben in einem gemeinsamen Merkblatt „Grundstückszufahrten, Flächen für die Feuerwehr, Rettungswegnachweis durch Hubrettungsgeräte“ definiert, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um den zweiten Rettungsweg von Regelbauten über Hubrettungsgeräte der Feuerwehr mit Aufstellflächen auf öffentlichen Verkehrsflächen sicherstellen zu können.
Demnach ist für eine entsprechende Planung und Genehmigung erforderlich:

  • dass sich Wohnungsgrundrisse straßenseitig orientieren,
  • dass ausreichend große Rettungswegfenster oder andere Öffnungen nach § 34 Abs. 5 HBO geplant werden, welche mit Hubrettungsgeräten ungehindert erreicht werden können,
  • dass eine ausreichend dimensionierte, mit Hubrettungsgeräten befahrbare öffentliche Verkehrsfläche vorhanden ist und die Grenzwerte für den Mindest- und Höchstabstand zwischen dem Standort des Hubrettungsgerätes und der Gebäudeaußenwand beachtet werden.

Sollen Aufstellflächen auf öffentlichen Verkehrsflächen ausgewiesen werden, so kann gemäß Empfehlungen der AGBF zur Ausführung der Flächen für die Feuerwehr (2012-3) bei der Planung zu Gunsten der Leistungsfähigkeit der örtlich eingesetzten Drehleitern im Einzelfall von den Vorgaben der Musterrichtlinie abgewichen werden. Dies bedeutet, dass bei Vorhandensein einer Drehleiter, welche die in den einschlägigen Normen beschriebenen Leistungsanforderungen übertrifft, abweichende Abstände und Dimensionierungen von Feuerwehraufstellflächen genehmigt werden können.

Beispiel:
Ist aufgrund der Gebäudeabstände nicht die volle Abstützung der Drehleiter erforderlich, so kann im Einzelfall und in Abstimmung mit der Brandschutzdienststelle die Gesamtbreite der Aufstellfläche auf 5 m reduziert werden (3 m Fahrbahnbreite und 2 m hindernisfreier Geländestreifen).

Beispiel:
In der DIN EN 14043 werden Hubrettungsfahrzeuge in verschiedene Leiterklassen unterteilt. Maßgeblicher Parameter für diese Einteilung ist die jeweilige Nennreichweite. Die Nennreichweite ergibt sich vorwiegend aus den Abmessungen der wesentlichen Fahrzeugbauteile und begründet die deskriptiven Vorgaben der Musterrichtlinie über Flächen für die Feuerwehr.
Allerdings werden in dieser Musterrichtlinie Flächen gefordert, welche mit allen genormten Leiterklassen befahren und genutzt werden können, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass nicht alle Städte und Gemeinden Hubrettungsfahrzeuge mit großen Nennrettungshöhen benötigen und vorhalten.
Die In Frankfurt am Main eingesetzten Drehleitern der Leiterklasse 30 erreichen eine Nennrettungshöhe von 23 Metern bei einer Nennausladung von 12 Metern. Ein maximaler Abstand von 12 Metern zwischen Aufstellfläche und Gebäude ist bei Gewährleistung der maximalen Stützbreite demnach im Einzelfall genehmigungsfähig, obwohl die Musterrichtlinie einen maximalen Abstand von lediglich 9 m zulässt.

Grundsätzliche Festlegungen zu den Einsatzmöglichkeiten von Hubrettungsfahrzeugen in Frankfurt am Main

  • Für Aufstellflächen auf Grundstücken gelten uneingeschränkt die Vorgaben der Musterrichtlinie über Flächen für die Feuerwehr als bauaufsichtlich eingeführte technische Baubestimmung.
  • Bei Flächen im öffentlichen Straßenraum kann zu Gunsten der Leistungsfähigkeit der örtlich eingesetzten Drehleitern im Einzelfall von den Vorgaben der Musterrichtlinie abgewichen werden.
  • Von bestimmten Vorgaben kann jedoch auch dann nicht abgewichen werden, wenn nachgewiesen wird, dass die derzeit in Frankfurt eingesetzten Hubrettungsfahrzeuge die benötigten Anforderungen erfüllen, da nicht garantiert werden kann, dass auch zukünftig beschaffte Drehleitern eine vergleichbare Leistung erbringen. Die Feuerwehr Frankfurt ist gemäß § 7 HBKG bei der Beschaffung ihrer Einsatzmittel an die jeweils geltenden Normen gebunden.
    Einer Planung, welche beispielsweise Aufstellflächen mit einer Breite von weniger als 5 Metern oder einem Abstand von mehr als 12 Metern zum Gebäude vorsieht, kann die Branddirektion Frankfurt am Main daher nicht zustimmen.
  • Bei schwer zu beurteilenden örtlichen Verhältnissen käme theoretisch eine Stellprobe in Betracht. Dies bedeutet, dass eine Drehleiter der Feuerwache vor Ort in Stellung gebracht wird, um zu prüfen, ob das jeweilige Gebäude planmäßig angeleitert werden kann.
    Derartige Stellproben werden in Frankfurt am Main grundsätzlich nicht durchgeführt. Der entstehende Aufwand ist unverhältnismäßig, da ein elementares Rettungsmittel samt Personal gebunden wird und seinem eigentlichen gesetzlichen Auftrag in dieser Zeit nicht nachkommen kann. Der Planer hat anderweitig – beispielsweise durch geeignete Pläne und Skizzen – nachzuweisen, dass eine Menschenrettung mittels Hubrettungsfahrzeug am betreffenden Objekt möglich ist.
    Die Branddirektion Frankfurt am Main schließt sich mit dieser Haltung den Empfehlung der AGBF an, welche Anleiterproben auch aufgrund möglicher Veränderungen in den Abmaßen der Fahrzeuge und deren Leistungsdaten im Zuge von Ersatzbeschaffungen als kritisch bewertet.

Links:

Einsatzmöglichkeiten von Hubrettungsfahrzeugen

Aktuelle Seite: Home Für Planer Hubrettungsfahrzeuge auf öffentlichen Verkehrsflächen