Rettungsdienst in Frankfurt: Ein geschichtlicher Rückblick
Ungefähr zeitgleich mit dem Aufbau der Berufsfeuerwehr erfolgte in Frankfurt am Main auch die Entwicklung eines geordneten Krankentransportwesens. Ebenso wie bei der Feuerwehr wurden hier in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts besondere Anstrengungen unternommen, um die Leistungsfähigkeit der nun schnell wachsenden Stadt anzupassen.

Treibende Kraft war zunächst die "Frankfurter Freiwillige Rettungsgesellschaft" (F.F.R.G.) und der "Frankfurter Samariter-Verein". Die F.F.R.G. unterhielt bereits Anfang der neunziger Jahre drei ständig besetzte Rettungswachen. Der Transport von erkrankten und verletzten Personen erfolgte durch je zwei "Heilgehilfen" mit einer einachsigen Räderbahre.

Es handelte sich hierbei um eine normale Krankentrage, die auf ein Untergestell mit zwei großen Speichenrädern aufgesetzt wurde. Der eine Heilgehilfe schob, der andere zog nun die Patienten bis zum Krankenhaus oder dem sonstigen Transportziel. Der Patient war gegen neugierige Blicke und die Witterung mit einem Segeltuchverdeck geschützt, das aber auch die laufende Beobachtung des Patienten während des Transports verhinderte. Man mag sich einmal vorstellen, wie strapaziös die Fahrt sowohl für den Patienten, als auch für die Heilgehilfen war !

Im Jahre 1899 ersetzte die F.F.R.G. ihre fahrbaren Tragen, die von den Heilgehilfen liebevoll "Handmarie" genannt wurden, durch zwei Pferdekutschen.
Diese Wagen boten nun fünf Sitzplätze sowie Raum für eine Trage. Außerdem wurde Material für die "Erste Hilfe" mitgeführt. Nun beteiligte sich auch die Berufsfeuerwehr am "Samariterdienst".

Am 22.November 1899 wurde jeder einzelnen Feuerwache ein entsprechendes Betreuungsgebiet in ihrer neuen Aufgabe zugewiesen. In der Hauptfeuerwache an der Münzgasse wurden die beiden Pferdekutschen der F.F.R.G. untergebracht. Die Pferde und die Kutscher wurden von der Feuerwehr gestellt, während die Heilgehilfen zunächst noch weiterhin von der F.F.R.G. kamen.

In ähnlicher Weise wurde auch eine Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Samariter-Verein aufgenommen, als 1903 auch in der Feuerwache Burgstraße eine Rettungswache eingerichtet wurde.

Hier verfügte man nun neben der Krankenwagenremise auch über ein "Operations-", über Ärzte- und Heilgehilfenzimmer sowie über Dienstwohnungen für drei Heilgehilfen. Allgemein wurde damals die Rettungswache der Bornheimer Feuerwehr wegen ihrer Einrichtung als "das Ideal einer Rettungsstation" angesehen.

Die Frankfurter Stadtverwaltung bezeichnete das Frankfurter Rettungswesen stets als vorbildlich. Auch die Feuerwehr beschaffte nun eigene Krankenkutschen und ließ Feuerwehrmänner für den Samariterdienst ausbilden.

Die Radfahrer, die dem Löschzug vorwegfuhren ("Ordonanzfahrer"), wurden ebenfalls angehalten, sich in ihrer Freizeit dem Samariterdienst zur Verfügung zu stellen. Letzteres wurde nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges sogar zu einem "Muß", nachdem Branddirektor Schänker am 1. August 1914 die Radfahrer noch einmal eindringlich aufforderte, sich in ihrer Freizeit freiwillig für die Dienste des Roten Kreuzes zu melden. Im September meldete er dann dem Oberbürgermeister, daß "dem Aufruf von allen Seiten Folge gegeben wurde".

Aber Schänker forderte nicht nur freiwillige Dienste von seinen Leuten; er ging auch selbst mit gutem Beispiel voran. Seit dem dritten Mobilmachungstag stellte er sich in seiner Freizeit dem Reservelazarett-Direktor, Dr. Spamer, zur Verfügung. Diesen Dienst versah er, bis er am 19.Oktober 1914 zu einer Marinedivision nach Antwerpen eingezogen wurde.

Für das Jahr 1914 verzeichnete man dann auch noch, daß in 1060 Fällen Hilfe durch Samariter der Feuerwehr geleistet wurde. Im Jahr zuvor waren es sogar 1263 Fälle gewesen. Im Jahr darauf wurde das Krankentransportwesen aus organisatorischen Gründen wieder aus dem Aufgabengebiet der Feuerwehr herausgenommen. Nur sechzehn Jahre hatte die als vorbildlich bezeichnete Einrichtung bestanden; die Aufgaben wurden nun an die "Städtische Rettungswache" abgetreten.

Am Rande sei noch erwähnt, daß während des Ersten Weltkrieges ehemalige Pferdebahnwagen der Frankfurter Straßenbahn für den Verwundetentransport umgebaut wurden. Trafen auf den Bahnhöfen Lazarettzüge ein, so wurden Verwundete und Kranke mit den Straßenbahnzügen zum Bethanien-Krankenhaus oder zum großen Reserve-Lazarett am Eschenheimer Tor gefahren.

Auch nachdem der Krankentransport von der Städtischen Rettungswache übernommen worden war, und wohl auch bei dieser bleiben sollte, behielt die Frankfurter Berufsfeuerwehr ihren "Samariterdienst" bei, indem sie in den Feuerwachen nun "Unfallhilfsstellen" unterhielt. Eine Dienstanweisung vom Oktober 1936 vermerkt unter dem Stichwort:

An den Feuerwachen, an denen Unfallhilfsstellen für die Öffentlichkeit eingerichtet sind, ist täglich ein Beamter als Samariter zu bestimmen. Die Verbandstoffe werden von der Zentralrettungswache Münzgasse auf Anforderung der Wachen unentgeltlich geliefert ."

Die Fahrzeuge der Städtischen Rettungswache waren zum Teil auch wieder auf den Feuerwachen stationiert worden und es muß davon ausgegangen werden, daß die Feuerwehr nicht selten zum Aufrechterhalten des Betriebes beitrug oder auch selbständig Transporte durchführte.

Dies änderte sich endgültig, als mit Runderlaß des Reichs- und Preußischen Minister des Innern vom 10.Februar 1938 das Deutsche Rote Kreuz mit der Wahrnehmung des "gesundheitlichen Rettungsdienstes" in allen Teilgebieten beauftragt wurde. Dieser Runderlaß wurde am 30.November 1942 durch einen Führererlaß noch einmal bekräftigt. Ihm folgte im Januar 1943 eine Durchführungsverordnung, in der alle bisher mit dem Krankentransport befaßten Behörden, Körperschaften des öffentlichen Rechts, öffentliche Betriebe, usw., aufgefordert wurden, ihre beweglichen Einrichtungen für den Krankentransport dem DRK auf Verlangen zu Eigentum zu Übertragen. So wurde der gesamte Krankentransportbereich vom Deutschen Roten Kreuz übernommen. Dieser Zustand blieb auch nach Ende des Krieges noch einige Jahre bestehen.


Gegen Ende der vierziger Jahre zeigte sich das Rote Kreuz jedoch nicht mehr imstande, einen geordneten Transportdienst durchzuführen. Daher beschloß der Magistrat im Februar 1950, den Krankentransport wieder bei der Feuerwehr anzusiedeln. In den Feuerwachen Burgstraße, Mörfelder Landstraße und Höchst sollten Rettungswachen eingerichtet werden. Am 1.April des Jahres wurde dann tatsächlich die gesamte Zuständigkeit für den Krankentransport an die Berufsfeuerwehr zurückgegeben. Vom Roten Kreuz übernahm die Feuerwehr sechs, zum Teil sehr abgewirtschaftete Krankentransportwagen. 23 der ehemals 49 beim Roten Kreuz bediensteten Heilgehilfen wurden weiterbeschäftigt.
Von den sechs Krankenwagen konnte man wegen technischer Mängel nur noch vier weiterlaufen lassen. Diese Zahl war jedoch für das Transportaufkommen in keinster Weise ausreichend, daher beantragte die Feuerwehr beim Magistrat die Neuanschaffung von zehn Fahrzeugen. Im Juni 1952 wurden seitens der Stadt die Mittel für den Kauf von zunächst drei neuen Krankentransportwagen bewilligt. Die Fahrzeuge konnten bereits kurze Zeit später in Dienst gestellt werden. Weitere Fahrzeuge wurden für die Beschaffung vorgesehen, um die steigenden Transportzahlen abzudecken. Bis zum März 1957 war die Zahl der monatlich von der Feuerwehr durchgeführten Transporte bereits auf 3000 gestiegen. Im Oktober 1957 standen dann bei der Feuerwehr 14 Krankentransportwagen und zwei Krankenbusse im Dienst.

Im Jahre 1955 war erstmals die DIN-Norm 75080 erschienen, die gemeinsam vom Fachnormenausschuß Kraftfahrzeugindustrie und vom Arbeitsausschuß Krankenhauswesen erarbeitet worden war. In dieser Norm wurden nun erstmals nach dem Kriege Vorschriften für den Bau und die Ausstattung von Krankenkraftwagen gemacht. Nach dieser Norm wurde der Krankenkraftwagen als Sonderfahrzeug definiert, das gleichermaßen für den Krankentransport und den Rettungsdienst bestimmt ist. Auch wenn die Norm nun den Begriff "Rettung" aufbrachte, war hierunter nicht etwa die Rettung im heutigen Sinne zu verstehen. Diese existierte nämlich nur als "Einpack-Rettung", d.h., der Patient wurde in das Fahrzeug geladen und auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus gefahren. Die Ausstattung der Fahrzeuge mit medizinischem Gerät war nicht der Rede wert, der Ausbildungsstand des Personals denkbar gering. Viele schwerverletzte Patienten verstarben während des Transportes zum Krankenhaus.

Mitte bis Ende der fünfziger Jahre setzte sich aber bereits in einigen Köpfen die Erkenntnis durch, daß es besser sei, den Patienten zunächst durch einen Arzt oder gut ausgebildeten "Rettungssanitäter" transportfähig zu machen und dann erst unter fachgerechter Betreuung in eine Klinik zu transportieren. Im Februar 1957 startete Professor Bauer von der Chirurgischen Universitätsklinik in Heidelberg Versuche mit einem "Klinomobil", einem umgebauten Reisebus, der praktisch nicht nur den Arzt, sondern einen kompletten Operationssaal an den Patienten heranführte. Obwohl man mit dem Klinomobil beachtliche Erfolge erzielte, zeigte sich jedoch schnell, daß ein solch großes Fahrzeug für den Großstadtbetrieb zu unhandlich war und auch die Geräteausstattung weit über den tatsächlichen Erfordernissen lag.

Im Juni 1957 begann man in Köln ein ähnliches Experiment, jedoch mit einem kleineren Fahrzeug, das sich auf Anhieb bewährte. Nach der erfolgreichen Erprobung übernahm die Stadt Köln den "Notarztwagen". Köln war somit die erste und blieb einige Jahre die einzige Stadt mit einem Notarztwagen. Zunächst schien es so, als würde es im übrigen Land bei der "Einpackrettung" bleiben.


Die zweite deutsche Stadt, in der sich der Notarztdienst etablierte, war Frankfurt a.M. Im Jahre 1965 wurde unter der Leitung von Obermedizinalrat Dr. Kunz die Planung des Notarztdienstes für die Stadt begonnen. Aus Katastrophenschutzmitteln des Landes wurde der erste Notarztwagen beschafft und am 8.Juni 1966 in Dienst gestellt.
Das Fahrzeug wurde der Feuerwache Hanauer Landstraße zugeordnet; sie stellte auch die zwei Sanitäter für das Fahrzeug. Der NAW 1 wurde am Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus an der Friedberger Landstraße stationiert. Das BUK stellte auch den Arzt für das neue Einsatzfahrzeug.Beim ersten Frankfurter NAW handelte es sich um einen Daimler Benz L 408 mit Hochdach; Ausbau und Ausstattung kamen von der Firma Miesen in Bonn. Der Patientenraum wies eine durchgehende Stehhöhe von 1,90 m auf. Ausgerüstet war das 85.000 DM teure Fahrzeug mit einem vollständigen ärztlichen Instrumentarium für die Wiederbelebung und die Versorgung schwerer Verletzungen. Lächeln mag man heute über ein weiteres Ausrüstungsteil; der erste Notarztwagen führte auch einen Schneidbrenner mit!

Doch der Frankfurter Notarztwagen hatte es schwer, sich durchzusetzen; er wurde sogar als "Rote Diva" verspottet. Auf einem in Frankfurt stattfindenden Unfallkongreß wetterte ein Chirurg der Heidelberger Universitätsklinik, daß der Frankfurter NAW zu teuer und seinen Aufgaben nicht gewachsen sei. Zu einer Aussprache über die von verschiedener Seite geübte Kritik kam es dann auf einem Rettungskongreß in Berlin. Dort wurde dann das Fazit gezogen, daß die erfolgte Kritik nicht gerechtfertigt sei. Außerdem wurde dem Rettungsdienst der Frankfurter Feuerwehr höchstes Lob gezollt. Der Ausbildungsstand der Beamten der Frankfurter Berufsfeuerwehr sei einer der besten im ganzen Bundesgebiet. Diese Ausbildung bestand seinerzeit aus einer "gründlichen Ausbildung in Erster Hilfe" und einem einmonatigen Praktikum in einer Unfallchirurgie. Dies mag aus heutiger Sicht als völlig ungenügend erscheinen; tatsächlich war die Frankfurter Feuerwehr damit aber führend.

Aufgrund der guten Erfahrungen, die die Kritiker Lügen straften, wurde im Juli 1967 ein zweiter, baugleicher Notarztwagen an der Universitätsklinik stationiert.
Ein drittes Fahrzeug mit einem nun bereits moderneren Fahrgestell wurde im November 1968 an den Städtischen Kliniken in Frankfurt-Höchst stationiert.

Doch immer noch war es schwierig, insbesondere auch der Bevölkerung das neue Rettungssystem nahezubringen. So kam es 1968 zu einem Zwischenfall, der für öffentliches Aufsehen sorgte:

Nach einer Explosion im Bahnhofsviertel wurden in einem Krankenwagen zwei verletzte Arbeiter durch Feuerwehrleute versorgt. Wegen der schweren Verletzungen der Patienten wurde das Eintreffen des Notarztwagens erwartet. In Unkenntnis dieser Tatsache baute sich bei den Schaulustigen der Eindruck auf, der Abtransport der Verletzten würde durch die Feuerwehrleute verzögert. Schließlich wurden durch die Zuschauer die Türen des Krankenwagens aufgerissen und die Feuerwehrleute tätlich angegriffen. Es wird berichtet, es habe eine regelrechte "Lynch-Stimmung" bestanden. In den folgenden Tagen wurde der Vorfall immer wieder von der Presse aufgegriffen. Die Bevölkerung wurde in verschiedenen Artikeln und Stellungnahmen aufgefordert, in Zukunft bei ähnlichen Fällen Ruhe zu bewahren.

Durch eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit und Berichterstattung setzte sich nach und nach sowohl bei der Frankfurter Bevölkerung, als auch bei der Fachwelt die Erkenntnis durch, daß mit dem Notarztwagensystem eine vorbildliche Einrichtung geschaffen wurde.


Die Notarztwagen in Köln, Frankfurt und später München, brachten aber nun auch die Normenausschüsse zu der Einsicht, daß zwischen Notfallpatienten und Nicht-Notfallpatienten zu unterscheiden sei uns folglich auch verschiedene Sanitätsfahrzeuge zu entwickeln sind. Im Jahre 1967 wurde die technische Grundlage geschaffen, um den Rettungsdienst in Deutschland zu re-organisieren. Erstmals wurden nun in der Norm Rettungswagen (RTW) und Krankentransportwagen (KTW) unterschieden.

Rettungswagen sind im Sinne der Norm Fahrzeu-ge, die zum Herstellen und Aufrechterhalten der Transportfähigkeit von Notfallpatienten dienen. Im Gegensatz zum Krankentransportwagen führt der RTW nun nur noch eine Krankentrage mit. Diese von der Beförderungskapazität her unwirtschaftliche Nutzung geht auf die medizinische Erkenntnis zurück, daß vom Personal nur ein Notfallpatient betreut werden kann und der Behandlungsplatz von allen vier Seiten her zugänglich sein sollte.

Solche Fahrzeuge wurden auf der Basis von VW-Transportern mit Hochdach bei der Frankfurter Feuerwehr bereits seit Mitte der sechziger Jahre eingesetzt. Die Frankfurter Bezeichnung für diese damals noch ungenormten Fahrzeuge lautete zunächst "Unfallwagen" oder "Unfall-Rettungswagen".

Neben diesen genannten Fahrzeugen verfügte man bereits seit 1956 über einen neuen Krankenbus (KB). Das Fahrzeug war von Miesen auf der Basis eines herkömmlichen Reisebusses aufgebaut worden.
Der KB verfügte über 12 Liegeplätze und 7 Sitzplätze, konnte aber in kurzer Zeit auf 29 Sitzplätze umgerüstet werden. Unterhalb der Hecktür konnte eine Rampe teleskopartig ausgezogen werden, um auch liegende Patienten oder solche mit Rollstuhl bequem ein und ausladen zu können. Der Fahrerraum war vom Patientenraum durch eine Wand mit einer Tür vollkommen abgeteilt.

Im Herbst 1969 fuhr bei der Frankfurter Berufsfeuerwehr das erste deutsche Rettungsdienstfahrzeug, das in roter Tagesleuchtfarbe (RAL 3024) lackiert war. 1971 wurde die Farbe dann als Alternativlackierung in die Norm aufgenommen.

Anfang der siebziger Jahre manifestierte sich die Aufgabenteilung der Rettungsdienstfahrzeuge. Es wurde nun versucht, die einzelnen Typen weiterzuentwickeln und den gestellten Anforderungen optimal anzupassen. So wurden z.B. für Rettungs- und Notarztwagen Schwebetische entwickelt, die den Patienten vor schädlichen Stößen und Schwingungen, etwa durch Straßenunebenheiten, schützen sollten.

Zwischenzeitlich war auch noch ein weiteres neuartiges Rettungsgerät in Dienst gestellt worden: Der Rettungshubschrauber "Christoph 2". Dieser war ebenfalls am Unfallkrankenhaus, direkt an der NAW-Station, untergebracht worden.

Die Notarztwagen waren mittlerweile durch Fahrzeuge auf moderneren Fahrgestellen vom Typ Daimler Benz 508 D ersetzt worden.

Diese wurden Mitte der siebziger Jahre sogar zum Fernsehstar: "Notarztwagen 7" war der Titel einer Vorabendserie der ARD, in der die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Notarztwagen dargestellt wurde. "Hauptdarsteller" war jeweils der NAW vom Unfallkrankenhaus.

Mitte der siebziger Jahre wurde dann auch die Flotte der Rettungswagen und Krankentransportwagen kräftig modernisiert: Es wurden moderne KTW vom Typ "Bonna" auf Fahrgestell Daimler Benz W 115 beschafft.
Bei den RTW war zunächst der Volkswagen VW LT 31 mit Ausrüstung von Binz das favorisierte Modell.
Diese wurden dann aber bereits ab Anfang der achtziger Jahre gegen Fahrzeuge der Typen Daimler Benz 210, 308, 309 und 310 ausgetauscht.
1986 wurde dann der letzte VW LT Rettungswagen außer Dienst gestellt und nach Brasilien verschenkt. Seit dem 6.Februar 1971 stand außerdem noch ein weiteres Rettungsmittel zu Verfügung: Der Notarztraum auf dem Feuerlöschboot.
Veranlassung für die Einrichtung des Notarztraumes war die Erkenntnis, daß den Binnenschiffern bisher im Bedarfsfall keine effektive ärztliche Betreuung und Versorgung zur Verfügung stand. Der Transport von Kranken und Unfallverletzten zum Land erfolgte meist in unzureichenden kleinen Beibooten. Der Notarztraum des Feuerlöschbootes bietet dagegen alle medizinischen und technischen Einrichtungen, die auch in den Frankfurter Notarztwagen zur Verfügung stehen. Aus dieser Erkenntnis heraus steuerte auch die Berufsgenossenschaft der Binnenschiffer einen namhaften Betrag zur Ausstattung des Notarztraumes bei. Kuriosum am Rande: Nur wenige Stunden, nachdem die Firma Miesen den Notarztraum fertiggestellt hatte, erlebte er seinen ersten Einsatz. Ein Passagier eines Reiseschiffes, bei dem man später einen Magendurchbruch feststellte, wurde versorgt und im weiteren Verlauf in ein Krankenhaus transportiert.

In den siebziger Jahren wurde mit der Einführung neuer Ausbildungsprogramme für den Rettungsdienst begonnen. So mußte nun jeder Feuerwehr-mann bereits während seiner Grundausbildung einen 96-stündigen Sanitätshelferlehrgang absolvieren. Dieser war nun Grundvoraussetzung, daß um als Fahrer auf einem Sanitätsfahrzeug einge-setzt werden zu können. Um als Führer ("Heilgehilfe") tätig werden zu können, mußte der Feuerwehrmann nun eine 560-stündige Ausbildung absolvieren. Diese setzte sich aus einer vierwöchigen theoretischen Schulung, einem vierwöchigen Krankenhauspraktikum, einem Rettungswachenpraktikum und einem Prüfungslehrgang zusammen. Weiterhin wurde nun großen Wert auf die laufende Fortbildung aller im Rettungsdienst eingesetzten Männer gelegt. Die erfolgte Ausbildung zum Rettungssanitäter wurde nun auch zu einem der zu erfüllenden Kriterien für die Beförderung zum Oberbrandmeister erhoben.

1975 erfolgte die sogenannte "Kommunale Neuordnung", bei der u.a. die ehemals eigenständige Doppelgemeinde Bergen-Enkheim nach Frankfurt eingemeindet wurde. Um den Rettungsdienst im nun erweiterten Frankfurter Osten gewährleisten zu können, wurde im Feuerwehrgerätehaus des neuen Stadtteils Enkheim eine ständig besetzte Rettungswache der Berufsfeuerwehr eingerichtet, die nun als Außenstelle der Feuerwache 1 unterhalten wurde. Am 1.Januar 1989 wurde die Rettungswache dann aber von einem unabhängigen Verein, der Rettungswache Bergen-Enkheim (RBE) übernommen.


Anfang der achtziger Jahre wurde begonnen, alle Sanitätsfahrzeuge der Berufsfeuerwehr mit FERNO Roll-in-Tragen auszustatten. Die Roll-in-Trage ver-fügt im Gegensatz zur herkömmlichen DIN-Trage über ein eigenes, ausklappbares Fahrgestell. Beim Ausziehen der Trage aus dem Fahrzeug klappt das Fahrgestell automatisch aus, beim Einschieben in das Fahrzeug schwenkt das Untergestell automatisch wieder ein. Hierdurch wird nun der Rücken der Sanitäter geschont, da die Patienten nicht mehr über weite Strecken getragen werden müssen sondern gefahren werden können. Bei der Einlieferung des Patienten in die Klinik entfällt nun die zeitraubende Suche nach einem Untergestell ("Slide-Car").

Im Bedarfsfall kann die Ferno-Trage aber auch von ihrem Untergestell abgenommen und wie eine herkömmliche Trage eingesetzt werden; alternativ kann auch ein Tragestuhl aus der Trage hergestellt werden. Weitere Möglichkeiten sind die Kopfhoch-Lagerung, ggf. mit Überstreckstellung (Erleichtern von Intubationen) oder das Anwinkeln der Beine, z.B. nach stumpfen Bauchverletzungen. In Verbindung mit den in den NAWs und RTWs eingebauten Schwebetischen ist außerdem eine Schocklagerung möglich.


Für den Transport von Neu- und Frühgeborenen wurde außerdem auf jeder Feuerwache eine modifizierte Roll-in-Trage in Bereitstellung gebracht, bei der auf dem Fahrgestell anstelle einer Trage ein Transport-Inkubator (Klein-Klimakammer, im Volksmund auch "Brutkasten" genannt) aufgesetzt ist. Wird nun ein derartiger Transport erforderlich, kann bei jedem Sanitätsfahrzeug die herkömmliche Trage in wenigen Sekunden gegen einen Transport-Inkubator ausgetauscht werden. Dieses Bereitstellungssystem an den Feuerwachen wird auch von den am Rettungsdienst beteiligten zivilen Sanitätsorganisationen (DRK, ASB, JUH, MHD, RBE) ge-nutzt, da diese Organisationen über keine eigenen Inkubatoren verfügen. Für die Notarztwagen wurden zusätzlich Intensiv-Transportinkubatoren beschafft, um auch besonders schwerwiegende Fälle transportieren zu können.

Die Modernisierung der Sanitätsfahrzeug-Flotte der Berufsfeuerwehr wurde nun laufend fortgesetzt. 1980 erfolgte eine Ersatzbeschaffung für den in die Jahre gekommenen Krankenbus aus dem Jahre 1956.

Das von Magirus und Binz gebaute Fahrzeug wurde auf der "Interschutz 80" in Hannover dem Fachpublikum vorgestellt. In Normalausstattung verfügt der Krankenbus über 47 Sitzplätze. In der Betriebsausstattung, in der das Fahrzeug alarmbereit steht, sind 23 Sitzplätze und 6 Liegeplätze vorhanden. Bei Bedarf kann aber auch eine weitere Variante genutzt werden, bei der 9 Sitzplätze, 12 Liegeplätze sowie 9 Rollstuhlplätze vorhanden sind. Zur Ausstattung des Busses gehören Standheizung und eine stationäre Sauerstoffanlage mit Steckanschlüssen an allen Plätzen. Beladen ist der Krankenbus mit vier Vakuummatratzen, 6 Notfallkoffern, 6 Taschen mit Wiederbelebungsgerät, Abnabelungsbestecken, u.v.m.

Der Krankenbus ist in den Ambulanzzug der Feuerwehr integriert und steht für Großeinsätze wie Flugzeug- oder Eisenbahnunglücke zur Verfügung. Weiterhin wird der Bus auch außerhalb des Zugverbandes bei Evakuierungen, Lebensmittelvergiftungen im Bereich von Großküchen, als ärztliche Durchgangsstation bei Bränden, usw., genutzt.


Neue Wege ging die Berufsfeuerwehr beim Bau von Notarztwagen. Im Februar 1985 wurde der Prototyp eines neu entwickelten Fahrzeuges an der NAW-Station Unfallklinik in Dienst gestellt. Das Fahrzeug wurde auf einem Fahrgestell der Firma Neoplan aufgebaut, das sonst für den Bau von City-Bussen verwendet wurde.
Die Vorteile eines solchen Fahrzeuges waren ein verbessertes Fahrverhalten und eine weiche Luftfederung; beides sollte zu einem schonenderen Transport von Patienten beitragen. Doch der neue Notarztwagen hatte noch weitere Neuerungen zu bieten. In den extrem geräumigen, von der Firma Binz eingerich-teten Patientenraum konnte mit der Ferno-Trage direkt eingefahren werden. Hierzu wurden die Flügeltüren am Heck per Knopfdruck pneumatisch geöffnet, durch das gleichzeitige Ablassen der Luft aus den Federbälgen der Hinterachse senkte sich im Innern des Patientenraumes das hintere Teil des Bodens ab und bildete eine Auffahrrampe. Auf diese Weise konnten schwerverletzte Patienten besonders schonend in das Fahrzeug eingeladen werden.

Um alle Krankenhauszufahrten, auch die sehr niedrigen, befahren zu können, wurden zur Verringerung der Bauhöhe des Fahrzeuges die Blaulichter und die akustischen Warneinrichtungen in das Dach integriert. Hierdurch wurde eine Gesamthöhe von rund 2,70 m erreicht. Probleme hatte man jedoch mit dem neuen Fahrzeug wegen seiner Länge von 6,80 m, die in engen oder zugeparkten Straßen ein schnelles Vorwärtskommen erschwerte. Ein weiterer, für die NAW-Station Uni-Klinik bestimmter Neoplan-Notarztwagen wurde aufgrund dieser Erfahrungen rund einen Meter kürzer bestellt.

Aus verschiedenen Gründen konnten sich die Neoplan-Fahrzeuge dennoch nicht durchsetzen. Bei der Ersatzbeschaffung für den dritten NAW in Höchst kehrte man wieder zu der Firma Daimler Benz zurück, die mittlerweile ein neues, technisch verbessertes Fahrgestell anbot.

Auch die beiden vorhandenen Neoplan-NAW wurden wenig später ersetzt. Zusätzlich beschaffte man nun drei nahezu baugleiche Fahrzeuge, die auf den Betreuungswachen als Zug-Rettungswagen (Z-RTW) in Dienst gestellt wurden. Diese Fahrzeuge dienen seitdem auch Reserve-NAWs bei technischen Ausfällen.

1990 wurde begonnen, die noch vorhandenen Krankentransportwagen der Feuerwehr durch Rettungswagen zu ersetzen. Hintergrund war eine politische Entscheidung. Das Land Hessen favorisierte nun das sogenannte Mehrzweckfahrzeug, was im Klartext bedeutete, daß nun auch normale Krankentransporte mit Rettungswagen durchgeführt werden sollten.

Die neubeschafften Rettungswagen waren völlig identisch ausgerüstet; die vorhandenen Fahrzeuge wurden entsprechend nachgerüstet und angepaßt. Die Ausrüstung der Feuerwehr-Rettungswagen in Frankfurt am Main ist heute so weit gefächert, daß sie nicht nur dem Rettungsassistenten, sondern auch einem zusteigenden Arzt die optimale Versorgung des Patienten ermöglicht. Zur Ausrüstung gehören u.a. EKG, Defibrillator, Infusions-Spritzenpumpe, NIP-Herzschrittmacher, ein automatisches Beatmungsgerät, Notfallmedikamente und ein Baby-Notfallkoffer.

Einer der vorhandenen Rettungswagen wurde außerdem in den Werkstätten der Frankfurter Feuerwehr zum Baby-Notarztwagen umgebaut.

Hierdurch konnte eine Entlastung der regulären Notarztwagen erreicht werden, da diese nun weniger häufig durch Transporte mit Intensiv-Transportinkubatoren blockiert werden. Am 22.12.1993 wurde das Fahrzeug dann an der Feuerwache 5 in Nied in Dienst gestellt. Die gesamte Ausstattung des Fahrzeuges ist speziell auf die kleinsten Patienten abgestimmt. So werden neben dem Intensiv-Transportinkubator z.B. spezielle Beatmungsgeräte für Babys mitgeführt. Der Einsatz des Fahrzeuges erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Kinderklinik des Städtischen Krankenhauses Höchst.

Seit dem Oktober 1992 verfügt die Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main auch über eine staatlich anerkannte Rettungsdienstschule. Hier werden nun Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Lehr-Rettungsassistenten für den eigenen Bedarf, aber auch für andere Feuerwehren ausgebildet. In den Lehrgängen der Rettungsdienstschule wird grundsätzlich der Kenntnisstand eines ausgebildeten Feuerwehrmannes vorausgesetzt. So können ver-schiedene, an den Schulen der zivilen Rettungsdienst-Organisationen auf den Lehrplänen angesetzte Themen wie etwa die Funkausbildung, eingespart werden. Die Stundenzahl der Lehrgänge wird aber dennoch nicht gekürzt, um ein hohes Niveau zu erzielen.


Im November 1994 stellte die Frankfurter Feuerwehr wieder einmal ein neuartiges Rettungsdienstfahrzeug in Dienst. Einer der ersetzten Neoplan-Notarztwagen war in den Werkstätten der Feuerwehr zum Intensiv-Verlegungs-Notarztwagen (INVER-NAW) umgebaut wurden.

Dieses Fahrzeug ist speziell für die Verlegung von Intensiv-Patienten zwischen zwei Kliniken eingerichtet. Der INVER-NAW fährt zu diesem Zweck auch weit über die Grenzen der Stadt hinaus und entlastet so sowohl die regulären Notarztwagen als auch den Rettungshubschrauber.


Nach langwierigen, konfliktreichen Diskussionen zwischen Feuerwehr, Sanitätsorganisationen und Krankenkassen, mit dem Ziel, die Kosten im Frankfurter Rettungsdienst zu senken, konnte Anfang 1997 die Reorganisation des Rettungsdienstes der Stadt in Kraft treten. Verkürzt dargestellt hat sich die Feuerwehr dabei aus dem Krankentransport zurückgezogen und betreibt seither nur noch Notfallrettung. Bei den Sanitätsorganisationen wurden Rettungswachen geschlossen, diese zogen mit auf die Feuerwachen. So ist z.B. der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) auf der Feuerwache 1 mit untergebracht und rückt von hier aus.

Im Zuge dieser Reorganisation wurde der "RTW 2000" entwickelt und beschafft. Die Fahrzeuge dieser Generation verfügen über eine identische Ausrüstung und werden von allen am Frankfurter Rettungsdienst beteiligten Organisationen eingesetzt.

© Text: HBM Ralf Keine, 1994 / 1998 Ergänzungen 2003: Edgar Lang