Mittwoch, 10 Juni 2020 08:41

Einsatzbereitschaft aufrechterhalten: FF trotz(t) Corona

Die Freiwillige Feuerwehr ist essentieller Bestandteil von Brandschutz und Hilfeleistung in Frankfurt am Main. Die rund 1.000 ehrenamtlich tätigen Feuerwehrangehörigen leisten in der Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit in der Stadt. Wie konnten die 28 Stadtteilwehren während des Corona-Lockdown ihre Einsatzfähigkeit aufrechterhalten? Und wie stellen sie diese in der jetzigen Lockerungsphase sicher?

Nur zehn Mann oder Frau dürfen zeitgleich zum Übungsdienst in Ginnheim kommen. Einer nach dem anderen trifft ein, begrüßt die anderen schon aus der Entfernung, zieht sich dann pflichtbewusst seinen Mund-Nasen-Schutz über, bevor er die Fahrzeughalle betritt. Einer der Kameraden hat eine kleine Kiste mit genähten Mundschützen für alle mit: Freiwillige Feuerwehr Ginnheim steht auf dem blauen Stoff.

Als alle umgezogen in ihrer Feuerwehrschutzkleidung und mit Abstand im Kreis stehen, heißt Ausbilder und stellvertretender Wehrführer Benjamin Ruck sie sichtbar erfreut willkommen „zum ersten Präsenzdienst nach den Kontakteinschränkungen“. Während er erklärt, wie es jetzt weitergeht, mischt er eine Seifenlösung an, legt Einmalhandschuhe und Papiertücher bereit. Das Material haben sie von der Branddirektion bekommen. Neben Masken und Abstand gehört auch dazu, dass alle Kontaktflächen in den Fahrzeugen am Ende des Dienstes gereinigt werden.

„Ein Dienst zusammen mit allen Kameraden wäre wieder schön. Aber wir sind uns bewusst, dass wir eine Vorbildfunktion haben und Infektionen vermeiden müssen um einsatzbereit zu bleiben“, sagt Benjamin Ruck. Ab 18 Uhr und am Wochenende sind die Freiwilligen Feuerwehren in Bereitschaft und werden über die Leitstelle der Frankfurter Feuerwehr etwa zu Bränden oder zu technischen Hilfeleistungen (z.B. bei Unfällen) alarmiert. Meistens zusätzlich, aber sie sind auch die Rückfallebene sollte es an Kräften bei der Berufsfeuerwehr fehlen. Auch bei besonderen Lagen wie Unwetter- und Großschadenslagen oder bei hohem Einsatzaufkommen z.B. an Silvester werden die FF-Einheiten hinzu alarmiert oder eigenständig eingesetzt.

Nach persönlichen Berichten haben sich die meisten Stadtteilwehren sowie die Sondereinheit der Rettungshundestaffel schon vor Greifen der Lockdown-Verordnungen Gedanken gemacht, was zu tun ist. Haben sich technische Möglichkeiten und Konzepte überlegt, wie sie Übungsinhalte online vermitteln können. Haben ihre Einsatzkräfte und Fahrzeuge mit Hilfe der Branddirektion mit Schutzmaterial ausgestattet – für den Fall, dass sie z.B. mal zu einer Brandmeldeanlage in einem Altenheim müssen. Haben entschieden, Instandhaltungsdienste (Geräte überprüfen etc.) mit möglichst wenig Personal und im Freien vor der Halle zu machen.

Und sie haben sich vielerorts sofort gegenseitig Hilfe angeboten, sollte jemand krank werden oder in der persönlichen Logistik Unterstützung brauchen. Bei aller Professionalität ist nicht zu vergessen, dass die bald 1.000 Kameradinnen und Kameraden den Feuerwehrdienst in ihrer Freizeit machen und wie alle anderen Bürger seit Wochen zusehen müssen, wie sie ihr Berufs- und Privatleben in Corona-Zeiten organisieren.

Nicht ohne Stolz wird die Freiwillige Feuerwehr von Sicherheitsdezernent Markus Frank oft als die „größte Frankfurter Ehrenamtsorganisation“ bezeichnet. „Die Freiwillige Feuerwehr ist in Frankfurt nicht nur eine wichtige Säule der Sicherheitsarchitektur, sondern ein beredtes Zeugnis für das traditionell in Frankfurt am Main ausgeprägte bürgerschaftliche Engagement und das Leben von Werten wie Mut, Besonnenheit, Beharrlichkeit und Verlässlichkeit“, betont Stadtrat Frank und ergänzt: „Dies ist besonders in Ausnahmesituationen von unschätzbarem Wert für unsere Stadtgesellschaft und verdient gerade jetzt ein besonderes Dankeschön.“

Wie der Dienstbetrieb jetzt wieder hochgefahren wird, ist sehr unterschiedlich – je nach Aktivenzahl bei den Wehren und den räumlichen Voraussetzungen. In Zeilsheim sind die Räume groß, in Hausen sehr klein, Niedererlenbach profitiert von einem großen Hof. Eschersheim und Praunheim haben sehr große Einsatzabteilungen. Dienst- und Ausbildungspläne werden umgestellt. Übungsabende werden z.T. auf zwei Wochentage verteilt, anderswo hält man für bestimmte Inhalte noch an online-Abenden fest. Die Rettungshundestaffel trainiert auch mit begrenzter Personenzahl und nur auf ganz bestimmten Flächen.

„Für Feuerwehrleute, die sich im Einsatz zu 100% aufeinander verlassen müssen, ist das Zusammensein schon sehr wichtig, das darf man nicht vergessen“, erklärt Dirk Rübesamen, als Stadtbrandinspektor für die Frankfurter Freiwillige Feuerwehr verantwortlich. „Insofern sind schon alle sehr froh, dass sie sich jetzt – bedingt und unter Auflagen – wieder treffen können“. Aber das geschehe mit großer Disziplin. Man sei sich sehr bewusst, welche Verantwortung man trage als wichtiger Bestandteil der Feuerwehr Frankfurt.

Der Übungsabend in Ginnheim wird von einem echten Einsatz unterbrochen. Die Männer sind aber schnell zurück. „Nur Zeitung auf Herd, Rauchentwicklung“, heißt es. Sie üben noch eine Runde Schlauchlegen im Treppenhaus. Nach der Fahrzeugreinigung ist es draußen dunkel. Ganz so wie „vor Corona“ ist es nicht. Was es auch nicht mehr gibt, ist das gemeinsame Essen und das manchmal lange Zusammensitzen. Aber immerhin: Sie fühlen sich einsatzbereit, stellen sich zum Abschluss nochmal zusammen und verabschieden sich merkbar zufrieden. Vor der Fahrzeughalle. Ohne Maske, mit viel Abstand.

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