"Stabile Seitenlage"
für PKW nach Verkehrsunfall

Ein wichtiger Grundsatz bei der patientenorientierten Rettung ist, dass PKW mit eingeklemmten Personen nicht mehr bewegt werden dürfen.

Um dies auch bei auf der Seite liegenden PKW zu gewährleisten, hat die Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie der Branddirektion Frankfurt am Main in der Vergangenheit mehrere Möglichkeiten getestet. Hierbei wurden sowohl die auf dem Markt erhältlichen Abstützsysteme diverser Hersteller als auch Anregungen aus der Fachliteratur berücksichtigt.

Bei dem Versuch, das Ganze möglichst einfach und kostengünstig zu halten, hat man auch mehrere Möglichkeiten der Nutzung von Steckleiterteilen in Verbindung mit Spanngurten ausprobiert.

Die hier vorgestellte Verfahrensweise wird seit mehreren Jahren erfolgreich im Aus- und Fortbildungsbetrieb angewendet und konnte bei allen gängigen PKW-Formen eingesetzt werden.

Das Bestreben eines PKW, von alleine wieder auf die Räder zu fallen, ist ziemlich gering. Auf der Fahrzeugunterseite sind deshalb einfache Maßnahmen, wie das Unterschieben von Keilen oder sonstigem Unterbaumaterial in der Regel ausreichend. Dies muss jedoch immer im Einzelfall geprüft werden.

Wichtig ist eine Abstützung zur Dachseite hin, da der PKW in diese Richtung sehr instabil liegt und im weiteren Verlauf von dort auch die Rettungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Bild 1: Fixieren der Leiterteile an den Fahrzeugecken

Hierzu werden an den äußeren Fahrzeugecken Steckleiterteile angelegt und mit Spanngurten um das Fahrzeug herum fixiert. Sollten keine "Ecken" vorhanden sein, auf die die Leitersprossen aufgelegt werden können (z. B. Kombi, Van, ...), so ist eine zusätzliche Fixierung der Leiter erforderlich, z. B. durch einfaches Einbinden der C-Säule mit Hilfe der Spanngurte.

Bild 2: Einbinden der C-Säule bei fehlenden Ecken

Die Kraft, die beim Anziehen der Spanngurte aufgebracht werden soll, muss einerseits ausreichen, die erforderliche Stabilität zu gewährleisten, darf gleichzeitig jedoch den PKW nicht bewegen. Hier ist dann etwas Feingefühl beim Anziehen der Spanngurte gefordert. Die Zugkraft auf die Leitersprossen entspricht bei den genannten Bedingungen einer Belastung von deutlich weniger als 100 kg (mit Zugkraftmessgerät überprüft).

Bei einer so durchgeführten Absicherung steht das Fahrzeug stabil und der Dachbereich ist für weitere Rettungsmaßnahmen frei und sicher zugänglich.

Bild 3: Freier Zugang zum Dachbereich nach erfolgter Abstützung

Diese Vorgehensweisen wird nach entsprechendem Training auch bei den Einsatzübungen angewendet.

Bild 4: Übungsszenario mit Stabilisierung in Seitenlage

Nach dem Wegziehen des ersten Fahrzeugs mit einem Mehrzweckzug (Video 690 kB) ist der Zugang zum "Patienten" frei.

Bild 5: Mögliche "Einsatzlage"

Die Stabilität der Abstützung ist auch bei Arbeiten mit hydraulischen Rettungsgeräten oder beim Besteigen des Fahrzeugs gewährleistet (Video 627 kB).