Die Beseitigung von Gefahren für oder durch Tiere gehörte schon immer zu den Einsatzaufgaben der Feuerwehren. Diese sind zur Amtshilfe für andere Behörden verpflichtet. Neu für die Stadt Frankfurt ist die Ausbildung von Beamten im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst für diesen Aufgabenbereich und der damit verbundene Einsatz eines speziell konzipierten Fahrzeuges.

Die Entwicklung des Fahrzeuges resultierte aus der Auswertung von Einsatzerfahrungen anderer Großstadtfeuerwehren im Bundesgebiet und begann im Frühjahr 1999. Von Anfang an war geplant, das Fahrzeug gemeinsam mit dem Aufgabenbereich Insektenberatung der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main zu nutzen,

GW-Tier mit ausgewählter Beladung
welcher durch die Bevölkerung der Stadt Frankfurt anerkannt ist und vor allen in den Sommermonaten stark frequentiert wird. Die inzwischen vorgenommene Verbesserung der rechtlichen Stellung von Tieren durch den Gesetzgeber zeigte die Richtigkeit des von uns eingeschlagenen Weges, welcher sich an den Eigenarten und Bedürfnissen der Tiere orientiert.

Die "Tierrettung" der BF-FFM versteht sich, gemäß den im Tierschutzgesetz verankerten Grundsätze, als humanitäre Hilfe gegenüber allen Tieren in Notlagen und umfasst im einzelnen:

- das Retten von Tieren aus Notlagen

- das Einfangen von Tieren zum Schutz des Menschen

- das Einfangen zum Eigenschutz des Tieres

- die Erstversorgung von Verletzungen

- der Transport gemäß Tiertransportverordnung zum Zoo, Tierheim, Tierarzt oder Wildgehege

- die Umsetzung von Wildtieren in geeignete Gebiete

Die seit Indienststellung des Fahrzeuges am 08.08.2002 durchgeführten Einsätze der mit dieser Aufgabe betrauten Kollegen sind ein Beweis für die Richtigkeit und Effektivität des eingeschlagenen Weges für diesen bürgernahen Service in allen Fragen der Tierrettung.

Tierrettung in Kurzform:
Innenansicht GW Tier 1 Zum Fahrzeug : Fahrzeugtyp : Mercedes Benz 310 D Kastenwagen (ehemaliger Rettungswagen)

Baujahr : 1993 / Umbau 2002

Leistung : 72 kw

Rufname : Florian Frankfurt- 3/59/01

Zum Fahrzeugaufbau : Das Fahrzeug ist in seinem Aufbau dreigeteilt. Der vordere Bereich umfasst den Bereich des Führerhauses mit zwei Sitzplätzen und Kommunikationseinrichtungen. Der mittlere Bereich wurde als Geräteraum nach den Bedürfnissen der Tierrettung und Insektenberatung ( Verknüpfung mit Seite Insektenberatung ) gestaltet. Der Heckbereich dient dem artgerechten Transport der Tiere und ist aus hygienischen Gründen durch eine Trennwand von den restlichen Bereichen abgetrennt.

Zur Fahrzeugbeladung : Neben der Beladung für die Belange der Insektenberatung ist das Fahrzeug mit folgenden Gerätschaften für den Bereich Tierrettung ausgestattet: zwei Fangstäben mit Schlinge, bissfeste Schutzkleidung für beide Tierretter ,ein Fangnetz, diverse Maulkörbe, zwei Hebegeschirre, Transportboxen, Transporttrage, Futter, Tasche für Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Mensch und Tier, Literatur über Erstmaßnahmen und Ansprechpartner.

Innenansicht GW Tier 2
Bei den nachfolgenden Einsatzschilderungen handelt es sich sowohl um Pressemitteilungen als auch um persönliche Erlebnisberichte der eingesetzten Kollegen. Natürlich werden durch uns nicht alle, sondern nur die „aus dem Rahmen fallenden“ Einsätze hier geschildert.( Erster Einsatz:20.09.02- Schlange im Keller eines Einfamilienhauses; zweiter Einsatz: 21.10.02- Bussard aus Main gerettet; ev. dritten Einsatz „08.12.02- Komoran in Notlage“ einfügen / Verbindung zu den entsprechenden Seiten herstellen.)
Am 20.09.2002 gegen 16:30 Uhr alarmierte die Leitstelle den GW-Tier in die Faulbrunnenstrasse im Stadtteil Nied. Alarmdurchsage war: Unbekannte Schlange im Keller eines "Einfamilienhauses.

Als die Tierretter wenige Minuten darauf an der Einsatzstelle eintrafen, wurden sie bereits von einem Anwohner erwartet, welcher den Grasfangkorb eines Rasenmähers in der Hand hielt.

Ein kurzer Blick in diesen Korb reichte aus, um zu erkennen, dass es sich bei dem gemeldeten Reptil nicht um eine heimische Schlange handelte. Das Tier war etwa 60 cm lang und besaß einen auffällig braun-gelb gestreiften Körper. Die Schlange wurde in dem Korb belassen und in den Zoologischen Garten in Frankfurt gebracht, wo sie von einem Mitarbeiter des Exotariums übernommen wurde. Dabei wurde festgestellt, es handelte sich bei dem Tier um eine Königsnatter, eine ungiftige Würgeschlange, welche eigentlich in Nordamerika beheimatet ist.

Die Schlange fand ein neues Zuhause in einem Terrarium, wo sie zur Beobachtung verblieb.

Carsten Wind, Tierretter Feuer-und Rettungswache 3 / III. Wachabteilung

Greifvogel aus dem Main gerettet

Innenstadt. Gegen 17.50 Uhr bemerkte ein Fahrradkurier einen Bussard in Höhe der Ignatz-Bubis-Brücke in den Fluten des Mains und alarmierte die Feuerwehr.

Als die Einsatzkräfte der Feuerwehr mit dem Rettungsschnellboot die Brücke erreichten versuchte der Mäusebussard sich an einem Brückenpfeiler in Sicherheit zu bringen. Das Tier war jedoch bereits völlig durchnässt und so schwach das es sich ohne Gegenwehr von den Beamten aufnehmen lies. Auch auf der Fahrt zur Feuerlöschbootstation verhielt sich der Bussard völlig ruhig. Erst nachdem die Besatzung des Rettungsschnellbootes ihn in der Löschbootstation in die Nähe eines Heizkörpers gesetzt hatten wurde er zusehends lebhafter und zeigte stolz seine ca. 1,20 m Flügelspannweite.

Zur weiteren Versorgung und Pflege wurde der Bussard in eine Tierstation gebracht.

Hans-Jürgen Kohnert

Pressestelle

Zuerst ein paar klärende Worte in eigener Sache. Wir sind keine ausgebildeten Tierärzte und wir wollen uns diese Rolle auch nicht anmaßen. Allerdings wollen wir den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Frankfurt am Main, welche unsere Hilfe anfordern, auch mit Sach- und Fachkompetenz auf diesem speziellen Gebiet zur Seite stehen.

Die Mitarbeit in der Tierrettung ist wie auch in anderen Sondereinheiten der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main freiwillig. Alle Kolleginnen und Kollegen, welche sich in dieser Aufgabe engagieren, haben eine zusätzliche Ausbildung absolviert, um bei dem Alarmstichwort "Tiernot" auf die unterschiedlichsten Einsatzsituationen vorbereitet zu sein. Dies kann ein in einem verunfallten PKW eingeschlossener Hund sein, welcher seinen verletzten Besitzer beschützen will, ein verletztes Wildtier oder auch eine Schlange, die sich aus ihrem angestammten Terrarium entfernt hat.

In Zusammenarbeit mit der Polizeihundestaffel Frankfurt am Main wurden sich Kenntnisse im Umgang mit aggressiv reagierenden Hunden angeeignet und gleichzeitig auch die Handhabung mit der zur Verfügung gestellten Schutzbeklei-dung sowie den Fanggeräten geübt.

Eine Unterweisung im Umgang mit exotischen Spinnen und Reptilien erfolgte durch Mitarbeiter des Exotariums des Zoologischen Gartens. Bei dieser Gelegenheit hatte jeder teilnehmende Kollege die Möglichkeit, selbst einmal das Einfangen einer ungiftigen Schlange zu üben, aber auch diese anzufassen.

Die statistische Wahrscheinlichkeit eines Einsatzes, bei dem wir es mit einem Hund oder einer Katze zu tun bekommen, liegt aber ungleich höher. So wurden Kenntnisse zu diesen beiden Tierarten in der Ausbildung, sowohl in Theorie als auch im Praktikum bei einer Tierärztin, eingehend vermittelt. So wurden Kenntnisse zur Anatomie, den wichtigsten Werten der Vitalfunktionen, wie Atem- bzw. Herzfrequenz und auch Maßnahmen der Ersten Hilfe, wie das Anlegen eines Pfoten- oder Brustverbandes vermittelt.

Das Zusammenwirken mit anderen Einheiten der Berufsfeuerwehr wurde im Rahmen einer Übung auf einem Reiterhof im Stadtgebiet trainiert. Dessen Betreiber gewährten uns die Möglichkeit, ein Hebegeschirr für Pferde auszuprobieren und damit Einsatzerfahrung zu sammeln.

Anlegen eines Maulkorbes
Fixieren des Tieres mittels Fangstange
Verladen des Hundes in eine Transportbox
Die hier veröffentlichten Bilder zeigen einige Ausschnitte dieser Ausbildungsmaßnahmen. Ohne das Engagement der uns ihr Wissen vermittelnden externen Ausbilder und das aller teilnehmenden "Tierretter" würde sicherlich der GW-Tier noch nicht den Bürgern der Stadt Frankfurt zur Verfügung stehen.
Bei mehreren Übungen in Zusammenarbeit mit der Polizeihundestaffel Frankfurt am Main fassten wir Vertrauen zu dem von uns genutzen Material. Natürlich lernten wir gleichzeitig den Umgang mit aggressiven Hunden. Bei einer Unterweisung im Umgang mit Schlagen und Reptilien im Zoologischen Garten bestand für uns angehenden Tierretter die Möglichkeit, eines der ungiftigen Exemplare selbst in die Hand zu nehmen.
Ein Mitarbeiter des Exotariums demonstrierte uns Fangtechniken für diese Tiere. Bei einer Übung in Zusammenarbeit mit anderen Einheiten der Feuerwehr wurde das Anheben eines Pferdes mit Hilfe eines Hebegeschirrs geübt. Das Tier war vorher durch eine an dieser Übung teilnehmenden Veterinärin beruhigt worden.
Anlegen des Hebegeschirr Anheben des Pferdes mit dem Kranwagen der Feuer- und Rettungswache 3