Der Rüstwagen-Schiene
Gelegentliche Entgleisungen von schienengebundenen Fahrzeugen gehören seit der Inbetriebnahme der Frankfurter Straßenbahn im Jahre 1872 zum Alltag im öffentlichen Nahverkehr. Während man die Fahrzeug der Pferdebahn mit Hilfe des Entgleisungseisens absichtlich aus den Straßen hob, um Hindernisse, z.B. liegengebliebene Kutschen, umfahren zu können, stellt die Entgleisung eines elektrischen Straßenbahnwagens eine Behinderung des bahnseitigen Verkehrsflusses dar, welche kurzfristig behoben werden muss. Die bis 1945 fast ausschließlich eingesetzten zweiachsigen Wagentypen konnten vergleichsweise einfach wieder aufgegleist werden: Der entgleiste Wagen wurde von einem anderen Fahrzeug so lange gezogen, bis er wieder in die Schienenspur gesprungen war. Aber auch mit Hilfe eines Kranwagens war es möglich den entgleisten Straßenbahnwagen hochzuheben und wieder seitlich in die Schienen einzuschwenken. War eine Person unter die Straßenbahn geraten, wurde das Fahrzeug mit Zahnstangenwinden angehoben und die Person befreit. Seit 1955 fahren auf Frankfurts Straßenbahnstrecken vierachsige, ab 1959 sechsachsige und seit 1963 achtachsige Großraumtriebwagen.
Bei diesen Wagentypen sind die Fahrzeugachsen nicht mehr starr mit dem Fahrgestell verbunden, sondern jeweils zwei Achsen sind als sogenanntes Drehgestell konstruiert. Das „Ziehverfahren" zum Aufgleisen scheidet deshalb grundsätzlich aus. Seit 1995 werden neue Niederflur Straßenbahnwagen von den Stadtwerken beschafft. Während früher als Material für den Fahrgestellaufbau Holz und Stahlblech Verwendung fand, sind heute die Triebwagen in Leichtbauweise gefertigt: Alle tragende Teile sind Aluminium-Strangpreß-Profile, die Seitenwände bestehen aus einer Aluminiumlegierung oder wie die Stirnwände aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Die Wagenlänge hat sich von 11 Meter bei den zweiachsigen auf fast 30 Meter bei den heutigen Fahrzeugtypen vergrößert. Die bei den Stadtwerken in den 60iger Jahren eingesetzten Aufgleiseinrichtungen - Stahlplatten und selbstgefertigte Schienensupporte - erforderten einen erheblichen Zeitaufwand, waren mit nicht geringer Unfallgefahr verbunden, und konnte nur als „Übergangslösung" betrachtet werden. Schließlich war es auf den Tunnelstrecken nicht möglich die bisherigen Aufgleisverfahren anzuwenden. Eine neue, leicht zu bedienende, unfallsicher arbeitende und mobile Aufgleiseinrichtung musste eingeführt werden. Auf die Einsatzstichworte „Person unter Straßenbahn" u.ä. Unfallereignissen mit eingeklemmten Personen unter Beteiligung von Straßenbahnen, war die Berufsfeuerwehr schon immer ausgerückt. Mit der Eröffnung der ersten Stadtbahnstrecke am 04.10.1968 von der Hauptwache zur Nordweststadt, befahren von der damaligen U-Bahn-Linie A 1, übernahm die Feuerwehr Frankfurt a.M. von den Stadtwerken den gesamten technischen Rettungs- und Bergungsdienst im U-Bahn und Straßenbahnbereich. Mittlerweile sind zur A-Strecke, die B- und C-Strecke hinzugekommen. Dadurch hat sich die Tunnelstrecke auf ca. 20 km erhöht. Eine neue U-Bahn-Strecke, die D-Stecke, ist zur Zeit noch im Bau. Das Fahrgastaufkommen ist jährlich gestiegen.
Bis 1968 wurde der Bereich Hilfeleistung mit schienengebundenen Fahrzeugen von den Stadtwerken in eigener Regie abgedeckt. Dazu besaßen die Stadtwerke einen Hilfsgerätewagen (RKW 10, Baujahr 1951). Seit dem 13.09.1968 liegt die Verantwortung für Hilfeleistungen im Straßenbahnbereich bei der Branddirektion. Folgende neue Aufgaben waren für die Berufsfeuerwehr damit verbunden: Durchführung des Aufgleisens von Straßenbahnen und U-Bahnen. Abschleppen von Schienenfahrzeugen Hilfeleistungen bei Schäden an schienengebundenen Fahrzeugen Einsatz bei Straßen- und U-Bahnunfällen aller Art auf oberirdischen - wie in Tunnelstrecken Bis 1970 wurde für die Hilfeleistungen ein umgebautes LF 16 (EG-LF) eingesetzt. 1970 wurde der erste Rüstwagen-Schiene in Dienst gestellt. Ihm folgte 2 Jahre später der zweite Rüstwagen-Schiene. Beide Rüstwagen sind in ihrer Ausrüstung teilweise unterschiedlich ausgestattet. Der RW-Schiene 1 ist für Eingleis, Rettungs- und Brandeinsätze, der RW-Schiene 2 ist für Eingleisungen, Brandbekämpfungen und sonstige technische Hilfeleistungen ausgestattet. Bei der Weiterentwicklung der zweiten Fahrzeuggeneration, die 1986 in Dienst gestellt wurde, konnten alle Verbesserungen und Erfahrungen eingebracht und verwirklicht werden. Durch die Schienenfahreinrichtung der Firma Schörling können die RW-Schiene auf dem Gleisbett der Straßen- und U-Bahn sowie bedingt der S-Bahn fahren.
Als Aufgleiseinrichtung wurde ein hydraulisches System gewählt, das aus folgenden Elementen besteht: Ölpumpen-Aggregat Hydraulikhebern Steuerventilen Wälz- und Wälzgleitwagen Hochdruckschläuche und verschiedenes Zubehör Da dieses System seit der Indienststellung der RW-Schiene nicht erneuert wurde, (das alte System war mittlerweile sehr Reparaturanfällig, sowie die Umstellung der Stadtwerke auf Niederflurfahrzeuge im Straßenbahnbereich) konnte 1997 ein neues Aufgleissystem der Fa. Lukas in Dienst genommen werden. Das neue System zeichnet sich durch zahlreiche Verbesserungen aus. Das Ölpumpen-Aggregat und der Steuertisch bilden keine Einheit. Das Ölpumpen-Aggregat verbleibt auf dem Fahrzeug. Der Steuertisch ist leicht zu transportieren. Es können mehrere Heber und Verschiebezylinder an dem Steuertisch angeschlossen werden. Die Funktion der Verschiebezylinder ist in beide Richtungen gegeben. Dadurch entfällt die Rückholpresse. Durch die niedrige Bauhöhe verschiedener Zylinder können alle Fahrzeuge in jeder Situation gehoben werden.